Es ist nicht immer einfach - mit mir und für mich

Das Leben nach Tag X

In meinem vorherigen Eintrag hab ich versucht zu erzählen was mein Leben verändert hat. Mit Absicht habe ich dabei versucht, die Gefühle die ich dabei hatte nicht mitzuteilen. Das ist etwas, worüber ich noch nicht sprechen kann.

Hier möchte ich gerne mitteilen was sich danach in meinem Leben verändert hat.

Es ist mir kaum möglich gewesen Menschen in meiner Nähe zu ertragen. Ich habe meine Freunde vernachlässigt, teils sogar die Freundschaften unter einem fadenscheinigen Grund beendet, mich Ihnen gegenüber verhalten wie ein Assi. Nur damit niemand merkt was los ist. Ich habe mich dafür geschämt, fühlte mich wie Dreck, nutzlos und wertlos. Was sollte man mit mir schon zu tun haben wollen? Was glaub ich eigentlich? Sowas wie mich braucht niemand.

Dann kam die Phase in der ich dachte, ich will niemanden mehr in meiner Nähe haben, dann ist die Chance geringer verletzt zu werden.
Denn nochmals verletzt zu werden hätte ich da nicht mehr verkraften können. Er hatte mir meinen Stolz, mein Selbstwertgefühl genommen. Da wollte ich nicht mehr.
Daher entschied ich mich dazu mich abzulenken, das ging am besten bei der Arbeit. Ich machte Stunden ohne Ende, ohne ein Danke oder sowas. Es wurde zum Selbstläufer, aber ich konnte wenigstens da die Gedanken an das Geschehene vergessen. Es gab Tage da war ich 10-12 Stunden im Büro.
Was meine Kollegen dachten? Mir egal, ich mach das für mich, mir geht´s damit besser. Es war auch so das ich die Situation Zuhause nicht vergessen konnte, ich war ja alleine. Niemand wusste davon.
Dabei wollte ich eigentlich reden, aber hatte mich nie getraut aus Angst, jemand könnte etwas falsches von mir denken. Es kamen auch die Gedanken, ich hätte Schuld an dem was passiert ist.
Das Thema lies mich einfach nicht los, egal was ich machte.
Nach einigen Wochen hatte ich jedoch wenigstens Stundenweise einen freien Kopf, ohne mich mit Arbeit abzulenken. Dies hielt aber leider auch nicht lange. Also stürzte ich mich wieder in die Arbeit, lies die wenigen solzialen Kontakte, die ich noch hatte, schleifen und der Kontakt bracht dann völlig ab.
Ich war alleine. So wie ich mich innerlich bereits gefühlt hatte.
Auf der einen Seite war es gut, ich wollte schließlich niemanden damit nerven, auf der anderen Seite hatte ich so auch keine Möglichkeit mehr zu vergessen.

Da ich nicht vergessen konnte was passiert ist, spielte ich das ganze immer und immer wieder in meinem Kopf ab. Jedoch fing ich an die Geschichte zu verändern. Ich stellte mir vor wie mir jemand half, wie mich jemand beschützte, wie sich danach jemand um mich sorgte und für mich da war. Das alles wurde dann zu einem "Zwang". Ich bekam bei diesen Gedanken das Gefühl wichtig zu sein und dieses Gefühl macht süchtig.
Ich war nie der Mensch, der gern im Mittelpunkt stand, aber in meinen Tagträumen war ich das. Es ging sogar soweit das ich mich selbst als starke Kämpferin sah, der das alles nichts ausmachte, die damit super klar kam und alles im Griff hatte. Also genau das Gegenteil von der Realität. Es ging soweit das ich zwischenzeitlich nicht mehr erkennen konnte was wahr und was erfunden war. Das brachte mich manchesmal in Schwierigkeiten, denn ich habe mich im realen Leben dann auch so aufgeführt als wäre ich die Beste, die Heldin, ich kann alles...

An einem Tag, als ich solch einen Höhenflug hatte, war ich in der Stadt bummeln. Alleine, wie immer.
In der Einkaufszone ging ein Mann an mir vorbei, er hatte den selben Duft wie mein EX! Alle Errinnerungen kamen sofort wieder hoch, mir wurde schlecht, die Tränen kamen. Ich hatte das Gefühl, jeder sieht mich an, zeigt mit dem Finger auf mich und wusste was passiert war. Ich ging sofort zum Auto. Auch hier hatte ich das Gefühl jeder sieht mich an.
Ich machte mir eine Zigarette an, wollte tief Luft holen, runter kommen. Da warf ich einen Blick in den Spiegel und sah warum ich so angesehen wurde. Mein Gesicht war Tränenüberlaufen, der Lidschatten total erlaufen. Deswegen haben die mich angeschaut.

Nach diesem Tag habe ich versucht ganz normal zu sein, habe mir diese Tagträume verboten, aber die Sucht nach diesem Gefühl der Stärke war einfach zu groß. Ich hatte darüber die Kontrolle verloren. Brauchte das Gefühl, immer mehr.

Es muss wohl nach aussen wirklich so gewirkt haben, als sei ich so. Jedenfalls haben sich dadurch neue "Freundschaften" entwickelt, ich war nicht mehr alleine. Damit das so blieb, habe ich jedoch den Fehler gemacht und einige Teile aus meinen Tagträumen als Realität diesen Leuten zu verkaufen. Ich habe mir Geschichten ausgedacht, mein Gott was waren das für blödsinnige Sachen. Es wurde mir aber geglaubt und hab mir Bestätigung. Falsche Bestätigung. Denn auch dieses macht süchtig.

Es gab auch eine Zeit in der ich mir Freundschaften erkauft habe. Durch diesen Blödsinn habe ich nun eine riegigen Schuldenberg vor mir und diese "Freunde" haben sich von mir abgewandt.

Nach Monaten habe ich dann jedoch festgestellt das ich alles was ich hatte los bin, ich einfach nur nen armseeliges etwas war. Da fielen mir die Worte der Polizistin wieder ein. "Sie sind die Stärkere!"
Es machte klick und ich merkte was ich die letzte Zeit für einen Müll gemacht hatte, was ich selbst weggeworfen hatte, wie blöd ich war.

Ich entschied mich das ganze zu ändern, denn wirklich glücklich war ich damit auch nicht. Was soll ich mit Anerkennung die ich nur bekomme wennich lüge? Das ist keine Anerkennung die ich brauche.
Warum soll ich Schulden machen um Freunde zu haben? Das sind Freunde die ich nicht brauche.

Diese Erkenntniss tat verdammt weh, lies mich ziemlich tief fallen, lies mich an mir selbst zweifeln. Schaffe ich das? Kann ich mich nochmals aufraffen?

Diese Gedanken haben mich jede Nacht beschäftigt, aber ich entschied mich es zu versuchen. Vielleicht war ich ja wirklich eine Kämpferin.

Ich wagte mich wieder Menschen an mich ran zulassen, erlaubte mir so zu handeln wie mein Gefühl es mir sagte. Denn vorher hatte ich jeden einzelnen Schritt geplant, nichts wurde dem Zufall überlassen. Jetzt tat ich das wovor ich Angst hatte. Ich lies zu nicht alleine die Kontrolle zu haben.

Es war kurz vor Weihnachten, wir hatten unseren letzten Arbeitstag.
Wie immer haben sich einige Kollegen nach Feierabend noch auf ein Bierchen getroffen, auch ich war dabei. Alle unterhielten sich, nur ich stand mehr oder weniger stumm dabei.Das kannten die meisten aber von mir, auf Arbeit war ich immer mehr die Ruhige.
Als dann alle nach Hause gingen sagte ein Kollege zu mir "Werd mal etwas lockerer, sei nicht so verkrampft. Es tut dir hier niemand was. Ausserdem hab ich selbst kaum Leute auf die ich mich verlassen kann, aber auf dich kann ich das!"
Ich antwortete nur das ich mir das fürs nächste Jahr vorgenommen hatte und mein bestes geben werde das sich was ändert.

Naja, die ersten Wochen oder Monate im neuen Jahr waren nicht einfach, denn ich habe wirklich versucht mich zu ändern. Es ging auch, aber ich hatte immer wieder das Gefühl, es reicht nicht, ich schaffe es nicht. Aber ich habe nicht aufgegeben, denn ich habe gemerkt das ich Anerkennung etc. bekomme wenn ich ich selbst bin. Und das ist super.

Mitte des Jahres trat auf einmal ein Mann in mein Leben, damit hätte ich nie gerechnet. Ich kannte Ihn da bereits ein Jahr (Arbeitskollege), konnte Ihn überhaupt nicht leiden. Doch auf einmal hab ich Ihn mit "anderen Augen" gesehen. Wir hatte uns gut unterhalten, er brachte mich zum lachen, ich fühlte mich wohl in seiner Nähe.
Moment, in seiner Nähe? Da kann was nicht stimmen. Aber es fühlte sich gut an. Ich hatte bis dato immer ein Angstgefühl wenn ich mit einem Mann alleine in einem Raum war, aber bei Ihm war das nicht der Fall. Wir lachten, es tat gut. Ich habe keine Angst bzw, beklemmendes Gefühl geahbt.
Das ich mich in der Nähe eines Mannes jemals wieder so fühlen würde hatte ich nicht gedacht.

Naja, mir ging das nicht aus dem Kopf und nach einer Weile ging er mir nicht mehr aus dem Kopf.
Das habe ich Ihm dann auch gesagt, besser gesagt geschrieben.
Danach wurde der Kontakt noch intensiver, aber es ist absolut nicht passiert ausser nen bissel rumalbern.

Doch dann rückte der Gerichtstermin näher und in meinem Kopf spielte sich alles wieder ab. Keine Nacht mehr ohne Alpträume.
Doch sobald er da war, konnte ich das vergessen. Jedoch wurden diese Gedanken an das Geschehniss immer mehr. Ich durchlebte es immer mehr. Ich wollte das nicht, es machte mir Angst, Panik, der Gedanke wegzurennen wurde immer stärker. Dadurch wurde der Drang ihn zu sehen immer größer. Dadurch habe ich Ihn mit SMS zu geschmissen, konnte das nicht mehr kontrollieren. Jeden Blödsinn den ich im Kopf hatte musste ich schreiben und abschicken. Damit habe ich Ihn dann so sehr genervt das ich auf die Blockierliste kam.

Einen Tag vor dem Gerichtstermin konnte ich nicht mehr, ich habe Ihm gesagt weswegen dieser Termin ist. Mehr nicht. ICh wollte das es das weiß, das er vielleicht verstehen kann warum ich so komisch war, so penetrant, so nervig.
Aber ich glaube damit habe ich alles nur noch schlimmer gemacht.

11.8.13 11:18

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